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Wahlkampf im Internet: Chance oder Risiko?

Journalistin Dani SchumacherDer Wahlkampf soll dieses Jahr verstärkt im Internet ausgetragen werden. Soziale Netzwerke spielen dabei eine zentrale Rolle. Dies ist nur konsequent, ist doch eine Mehrzahl der Politiker mittlerweile recht eloquent im Netz unterwegs. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wahlkampf im Internet ist billiger, schneller und die Botschaft kommt zielgenau bei der anvisierten Klientel an. Ob politische Kampagnen durch die neuen Medien wirksamer werden oder es eher zu Entgleisungen kommt, muss sich noch zeigen, so Dani Schumacher in einem Leitartikel im Luxemburger Wort am Mittwoch.

Weil die Wahlen nicht wie geplant im Mai kommenden Jahres stattfinden sondern bereits am 20. Oktober, fällt der Wahlkampf diesmal ungewohnt kurz aus. Die Parteien haben gerade einmal drei Monate Zeit, um sich auf den Urnengang vorzubereiten. Die Kampagne wird deshalb aller Voraussicht nach wesentlich hektischer werden als gewohnt.

Zwar betonen alle Parteien gleichermaßen, dass es um Inhalte geht und nicht um Personen. Doch man kann davon ausgehen, dass vor allem die Spitzenkandidaten diesmal noch stärker im Rampenlicht stehen werden, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Die Inhalte, sprich die Wahlprogramme, werden nämlich erst in den nächsten Tagen geschrieben. Die Kandidaten werden aber angesichts der kurz bemessenen Frist die Zeit bis zur Veröffentlichung der politischen Leitfäden kaum ungenutzt verstreichen lassen. Dass die Parteien – wie zuvor von Großherzog Henri angemahnt – in ihrem gemeinsamen Abkommen zu einem fairen und sachlichen Wahlkampf aufrufen, ist deshalb nur zu begrüßen.

Die Wahlkampagne 2013 findet nicht nur aus terminlichen Gründen unter anderen Vorzeichen statt. Die Parteien haben sich nämlich darauf verständigt, den finanziellen Einsatz zu beschränken. Wahlgeschenke werden auf ein Minimum reduziert und die aufwändigen Medienkampagnen werden, nicht zuletzt aus Kostengründen, zurückgefahren.

Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass der Wahlkampf in diesem Jahr verstärkt im Internet ausgetragen wird. Nach eher zaghaften Versuchen in den Jahren 2004 und 2009 sind die Parteien nun endgültig im 21. Jahrhundert angekommen: Soziale Netzwerke werden 2013 eine zentrale Rolle spielen. Dies ist nur konsequent, ist doch eine Mehrzahl der Politiker mittlerweile recht eloquent im Netz unterwegs.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Wahlkampf im Internet ist billiger, schneller und die Botschaft kommt zielgenau bei der anvisierten Klientel an. Die Online-Kampagne ist zudem interaktiv, d. h., die Parteien können auf neue Entwicklungen reagieren und ihre Marschroute bei Bedarf anpassen. Die direkte Beteiligung der Wähler kann einer modernen Demokratie nur förderlich sein. Ob die Werbung in eigener Sache durch die neuen Medien wirksamer wird, muss sich zeigen.

Doch der politische Auftritt im Netz beinhaltet nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. In der Vergangenheit wurden die Wahlkampagnen ausschließlich von den Parteizentralen gesteuert. Die Wahlstrategen haben über die Inhalte und das Erscheinungsbild entschieden. Ihnen oblag aber nicht nur die Kontrolle, sie mussten auch die Verantwortung übernehmen. Entgleisungen waren daher die große Ausnahme. Bei einer Kampagne in den sozialen Netzwerken könnte den Parteien die Kontrolle allerdings teilweise entgleiten. Zwar entscheiden sie weiterhin über die eigenen Beiträge, doch die Online-Reaktionen werden ein nicht steuerbares Eigenleben führen. Auch wenn die Parteien sich an die selbst auferlegten Fair-Play-Regeln halten werden, so bleibt zu befürchten, dass diesmal nicht nur der Ball, sondern auch der Mann gespielt wird. Schläge unter die Gürtellinie sind – auch ohne Zutun des politischen Gegners – nicht auszuschließen. Dafür wird allerdings niemand mehr die Verantwortung übernehmen.

(Quelle: Luxemburger Wort vom 30.7.2013)

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