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Parteipolitik

Juncker dementiert angebliche Äußerung zu Homosexualität

Jean-Claude JunckerPremierminister Jean-Claude Juncker hat die ihm von einer Boulevardzeitschrift zugeordnete Aussage, dass Schwulsein „sexy“ sei, am Donnerstag in einem Gespräch mit DP-Chef Xavier Bettel dementiert. Zuvor hatte die vermeintliche Aussage für Aufregung in den sozialen Netzwerken gesorgt und auch bereits international Wellen geschlagen. Bettel zog infolge der Klarstellung durch den Premier seine parlamentarische Anfrage vom Vortag zurück, mit der Begründung, er wolle den Wahlkampf durch diese Polemik nicht weiter belasten.

Mitteilung von Xavier Bettel auf Facebook

Lëtzebuerg Privat berichtete Ende Juli, der luxemburgische Premierminister habe im Verlauf einer Unterredung mit Privat-Herausgeber Jean Nicolas und Redakteur Heinz Kerp die Bemerkung fallengelassen, dass „Schwul- und Anderssein“ heute „sexy“ sei. Er hingegen sei ein normaler Regierungschef, den die „Erotik der Macht“ nach 30 Jahren in der Politik nicht mehr anziehe.

Anlass des Gesprächs sei Junckers Wunsch gewesen, einen Bericht über eine vermeintliche uneheliche Vaterschaft formell zu dementieren. Nicolas und Kerp hätten den Premierminister daraufhin in seinem Büro im Staatsministerium besucht und in Anwesenheit eines hohen Beamten eine halbstündige Unterredung mit ihm geführt.

Am Donnerstag befasste sich queer.de, das grösste schwule Newsportal in Deutschland, mit Junckers Aussage und verwies auf Spekulationen, dass seine Äußerung ein Seitenhieb auf offen homosexuelle Kontrahenten in der luxemburgischen Politik sei:

„Im Land finden am 20. Oktober Neuwahlen statt, weil der sozialdemokratische Koalitionspartner von Junckers konservativer Partei dem Premierminister wegen einer Geheimdienstaffäre die Unterstützung versagt hat. Der Spitzenkandidat dieser Partei, Wirtschaftsminister Etienne Schneider, ist ebenso wie der DP-Chef offen schwul.“

In den sozialen Netzwerken und auf den Online-Auftritten der luxemburgischen Tagespresse wurde ebenfalls ausgiebig über das Thema diskutiert.

François Bausch, Abgeordneter von déi gréng, erklärte auf Twitter, er sei „entsetzt“ über Junckers Aussage und schockiert, dass der Premier sich mit „dem berüchtigten BlättchenLëtzebuerg Privat überhaupt unterhalten habe.

„Wer denen ein Interview gibt und so etwas sagt, ist für mich gestorben. Jeder Respekt vor seiner Person ist weg. Rest in Peace. Ein Staatsmann, der er einmal war, dreht komplett am Rad“, kritisierte Jerry Weyer, der Wahlkampfmanager der Piratenpartei, auf Facebook.

„Ich persönlich finde die Aussage Junckers als das was sie ist, nämlich eine Feststellung des neuen Zeitgeistes. Schwule und Lesben erfreuen sich immer der Zustimmung des Volkes. Also sexy ist das schon“, konterte Romain Dehm in einem Kommentar auf tageblatt.lu.

Ein weiterer Kommentar auf der gleichen Webseite stimmte dem zu: „Selbstverständlich ist es heutzutage sexy, ‚anders‘ zu sein, auch homosexuell. Und selbstverständlich kokettieren bekennend schwule Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, ab und zu mit diesem Umstand. Und das ist auch gut so. Das simple Feststellen dieser Tatsache jetzt als Homophobie auslegen zu wollen grenzt an Schwachsinn.“

„Claudchen“ ärgerte sich auf tageblatt.lu grundsätzlich über die Thematisierung des Schwulseins: „Haben wir wirklich keine anderen Probleme als die sexuelle Orientierung unserer Politiker? Ehrlich? Es fängt wirklich an, lächerlich zu werden.“

Luxemburg gilt als äußerst homofreundlich. Homosexualität wurde bereits 1794 legalisiert, seit 2004 gibt es eingetragene Lebenspartnerschaften. Seit mehreren Jahren debattiert die Regierung im Konsens über die Öffnung der Ehe. Mitte Juni hat der Rechtsausschuss des Parlamentes bereits einem Gesetzentwurf zugestimmt, der die Gleichbehandlung in praktisch allen Bereichen, inklusive des Adoptionsrechts, vorsieht. Das Gesetz sollte eigentlich im Herbst in der Abgeordnetenkammer beschlossen werden, allerdings muss diese Abstimmung wegen der Neuwahlen verschoben werden.

Laut einer Umfrage von Luxemburger Wort und RTL Télé Lëtzebuerg unterstützen 83 Prozent der Einwohner die Öffnung der Ehe. 55 Prozent sprechen sich darüber hinaus für die Gleichstellung im Adoptionsrecht aus.

(Quelle: queer.de, tageblatt.lu, wort.lu, facebook.com, twitter.com)

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Juncker dementiert angebliche Äußerung zu Homosexualität

  1. Ich finde die nie gemachte Aussage des JCJ in PRIVAT zutreffend. Und Herr Bettel sollte dies als eine Tatsache hinnehmen, schliesslich schlug er ja von seinem Outing bei RTL Kapital. Dieses Outing war für viele Leute eine Offenbarung des anderen Bettel. Er wurde menschlich, mit Problemen wie Du und ich. Und befreiend wurde es für ihn auch.

    Und damit das jetzt für allemal klar ist: Schwule und Lesben sind Menschen wie Du und ich, obwohl ich mich wohl als Hetero jetzt outen möchte!

    Dass Homophobie IRGENDWO SONST IN DER WELT ein Problem ist, dafür kann JCJ jedenfalls nicht! Und auch sonst niemand in der luxemburgischen Politik!

    Verfasst von Lucien | 09.08.2013, 01:26

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