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Analyse

Kandidatenlisten – (k)ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung?

Chambre des députésDie Abgeordnetenkammer vertritt das Land, heißt es in der luxemburgischen Verfassung. Soziologisch stimmt dieser Satz nicht ganz. Weder die aktuelle Zusammensetzung des Parlaments, noch die Kandidaten, die am 20. Oktober zur Wahl stehen, stellen einen repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung dar. Meist sind sie Anwalt oder Jurist, Wirtschaftsexperte, Lehrer oder Beamter. Handwerker oder einfache „Arbeiter“ sind hingegen eine Minderheit. Joëlle Mergess schaut sich im Luxemburger Wort vom Samstag die Kadidatenlisten der größten Parteien genauer an.

„La Chambre des députés représente le pays“, heißt es in Artikel 50 der Verfassung. Politisch mag das zutreffen, soziologisch stimmt diese Aussage aber nur zum Teil. So stellen zum Beispiel die Juristen und Anwälte, die Beamten und Lehrer die stärksten Berufsgruppen im Parlament dar; Freiberufler, Handwerker und einfache „Arbeiter“ sind hingegen kaum auf Krautmarkt vertreten. Es ist davon auszugehen, dass sich die Berufsstruktur des Parlaments, das aus den Wahlen hervorgehen wird, kaum verändern wird. Dazu ähneln sich die Kandidaten der Parteien soziologisch zu sehr.

Der Vergleich der Listen von CSV, LSAP, DP, Déi Gréng und ADR zeigt, dass vor allem bei den Christlich-Sozialen und Liberalen die Dominanz der Anwälte und Juristen auffällt, was auch nicht weiter verwerflich ist, schließlich braucht man für die legislative Arbeit Experten in Rechtsfragen. Bei den Liberalen und Grünen ist zudem die Berufsgruppe der Lehrer stark vertreten. Die Berufsgruppen der Beamten, Ärzte, Studierenden, Freiberufler, Journalisten und Künstler finden sich mehr oder weniger auf den Listen aller Parteien wieder.

Eine Ausnahme im beruflichen Einerlei unter den Kandidaten stellt die ADR dar, die eher aufs „einfache Volk“ zu setzen scheint: Unter den Kandidaten der Reformpartei sind Sekretärinnen, ein Maler, ein Installateur, ein Postbote, eine Hausfrau, eine Friseurin und ein Gemeindearbeiter. Zudem ist die ADR auch die Partei, die die meisten Kandidaten mit Migrationshintergrund ins Rennen schickt.

Gerne hätte man sich auch mit der Berufsstruktur der LSAP-Kandidaten befasst, doch die Partei belässt es auf ihren Listen bei der Aufzählung der politischen Mandate. Lediglich zehn sozialistische Kandidaten haben weder ein kommunal-, national- oder parteipolitisches Amt inne.

So wie sich die Berufsstruktur der Kandidaten ähnelt, so ähneln sie sich auch altersmäßig. Bei den Grünen liegt das Durchschnittsalter bei 46,1 Jahren, bei der ADR sind es 48,6 Jahren; die übrigen Parteien bewegen sich dazwischen. Der jüngste Kandidat ist gerade einmal 18, er heißt Bill Wirtz, und zieht für die DP im Zentrum ins Rennen. Der älteste Kandidat ist 76, er heißt Paul-Henri Meyers, er tritt im Zentrum für die CSV an, und sollte ihm die Wiederwahl gelingen, wird er wohl als Vater der neuen Verfassung in die Geschichte eingehen.

Nach der Krise um die SREL-Affäre und dem bekundeten Willen zu vorgezogenen Wahlen hatten sich viele Parteien einen personellen Neuanfang auf die Fahnen geschrieben. Diesem Anspruch werden sie auch mehr oder weniger gerecht: Die CSV schickt 23 neue Kandidaten ins Rennen; bei der LSAP sind es 24, bei den Liberalen 27; auf den Listen der Grünen stehen 28 Männer und Frauen, die 2009 nicht dabei waren; und die ADR bringt es auf 37 neue Gesichter – was aber nicht unbedingt ein Zeichen von Erneuerung sein muss, sondern auch mit den parteiinternen Zerwürfnissen zu tun haben könnte, die die Reformpartei die vergangene Legislaturperiode durchlebte.

Dem Anspruch der Geschlechterparität wird keine Partei gerecht, selbst bei den Grünen sind die 29 Kandidatinnen in einer knappen Minderheit. Die Liberalen schicken nur 15 Frauen ins Rennen, die Sozialisten 16, die CSV 19 und die ADR 23.

(Quelle: Luxemburg Wort, 10.08.2013)

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Kandidatenlisten – (k)ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung?

  1. Wann ee Jurist ass heescht dat net, dat een net am Arbeschtermilieu grouss ginn ass. Et sinn d’Wuerzelen déi wichteg sinn, net de Beruff u sech.

    Verfasst von Lucien | 10.08.2013, 23:56

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