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CSV predigt LSAP-Verrat, anstatt Fehler einzugestehen

CSV-Mandatsträger werden nicht müde, den Verrat der LSAP an ihrem Jean-Claude, an ihrer Partei zu predigen. Sie fühlen sich anscheinend sehr wohl in der Opferrolle und drücken unermüdlich auf die Tränendrüsen der Wähler, die sich beim anstehenden Wahlgang vielleicht für einen wirklichen Neuanfang entscheiden könnten. Für die CSV ist es viel einfacher, ihr Gegenüber mir nichts dir nichts als Verräter zu bezeichnen, als die eigenen Fehler einzugestehen, kommentiert Roger Infalt in einem Leitartikel im Tageblatt am Montag.

Es gab viel Zoff bei der Aufstellung mancher Listen, vor allem bei der CSV. Ein Beispiel: Im Norden sorgte die Nominierung der Neulinge Fränk Kuffer (noch RTL-Journalist) und Charles Weiler (Sohn des einstigen CSV-Abgeordneten Lucien Weiler) für einen erbosten Bezirkspräsidenten Charles Pauly und eine ebenso verärgerte Erste Schöffin Edmée Feidt-Juncker aus Ettelbrück, die nicht berücksichtigt wurden. Doch damit nicht genug: Auch die Präsidentin der CSV-Frauen aus dem Norden, Sonja Soares Pereira-Kettmann, blieb auf der Strecke. Die Wünsche des Bezirkskomitees wurden ganz einfach ignoriert.

Dafür muss sich aber jeder die Reden der CSV-Mandatsträger anhören, die – im Schulterschluss mit ihrer befreundeten Presse – nicht müde werden, den Verrat der LSAP an ihrem Jean-Claude, an ihrer Partei zu predigen. Sie fühlen sich anscheinend sehr wohl in der Opferrolle und drücken unermüdlich auf die Tränendrüsen der Wähler, die sich beim anstehenden Wahlgang vielleicht für einen wirklichen Neuanfang entscheiden könnten. Um Themen wie „Die LSAP hat uns ein Bein gestellt“ und „Messer in den Rücken der CSV“, „Die Diskussion im Parlament war eine Farce“, „Fairplay ist ein Fremdwort in diesem Spiel“ usw. dreht sich die Endlosschleife der CSV-Mandatsträger vor den Saalmikrofonen und den befreundeten Journalisten.

Apropos befreundete Journalisten: Die CSV hat das Luxemburger Wort fest im Griff. Was der neuen Saint-Paul-Direktion und natürlich auch dem Bistum Luxemburgs zupass kommt. Denn für sie alle gibt es einen guten, überaus wichtigen Grund, jetzt alles Mögliche in Bewegung zu setzen, damit die CSV in der Regierung bleiben kann. Was würde denn z.B. mit dem Dossier „Trennung von Kirche und Staat“ passieren, würde es z.B. zu einer LSAP/DP/„déi gréng“-Dreierkoalition kommen? Aus der Opposition heraus könnten Juncker & Co. dieses Dossier sicherlich nicht mehr blockieren.

Die Folgen einer solchen Trennung kämen also sowohl für die CSV als auch für das Bistum und seine Zeitung einem Erdrutsch gleich, denn die katholische Kirche in Luxemburg wird fast vollständig vom Steuerzahler finanziert – unabhängig davon, ob dieser gläubig ist oder nicht. Wie viele Millionen Euro an Steuergeldern hierfür draufgehen, wird natürlich verheimlicht.

Wie schrieb einst der britisch-US-amerikanische Autor, Journalist und Literaturkritiker Christopher Eric Hitchens: „Fest steht …, dass die Religion immer auf den noch ungeformten und schutzlosen Verstand mancher Menschen Einfluss zu nehmen versucht und alles Erdenkliche getan hat, um sich dieses Privileg zu sichern, indem sie mit den säkularen Mächten der materiellen Welt Allianzen eingegangen ist.“

Zu guter Letzt sei uns noch ein Blick auf den CSV-Internetauftritt erlaubt. Hier stehen u.a. folgende Sätze des Parteipräsidenten Michel Wolter zu lesen: „Bei unserem außerordentlichen Kongress mit anschließendem Sommerfest zeigten die Menschen sich entrüstet. Nicht nur, weil gegen grundlegende Regeln des Rechtsstaates verstoßen wurde, sondern auch gegen elementare Prinzipien der Menschlichkeit.“

Alles schön und gut, doch hier hat man ganz vergessen, zu schreiben, wer denn gegen die grundlegenden Regeln des Rechtsstaates und gegen die elementaren Prinzipien der Menschlichkeit verstoßen hat und weiter verstößt. Der Grund hierfür ist klar: Man wollte sich nicht selbst beschuldigen.

Und dann erdreistet sich gerade Wolter, den Ausdruck „Tous les coups sont permis“ zu gebrauchen. Sollte der CSV-Präsident seinen letzten, aber nicht einzigen „Coup“ aus der „Chamber“ etwa schon vergessen haben? War es nicht er, dieser Wolter, der einen Journalisten auf perfide Art und Weise dazu benutzen wollte, um alle Abgeordneten – außer natürlich die der CSV – an den Pranger zu stellen?

Für die CSV ist es viel einfacher, ihr Gegenüber mir nichts dir nichts als Verräter zu bezeichnen, als die eigenen Fehler einzugestehen.

Wolter, Juncker und ihr Team sollten Nachhilfe in Sachen Bergpredigt (eigentlich müssten sie die auswendig kennen) bekommen: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7,3 EU).

(Quelle: tageblatt.lu)

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